Der Bundesrat hat diese Woche die Ausrichtung der internationalen Zusammenarbeit ab 2029 festgelegt. Der Fokus auf Effizienz klingt begrüssenswert, verdient jedoch eine genauere Betrachtung.
Ein substantieller Anteil des Budgets soll von langfristiger Entwicklungszusammenarbeit zur humanitären Hilfe verschoben werden. Angesichts zunehmender Krisen mag das sinnvoll erscheinen – allerdings riskieren wir, bisherige Erfolge zu gefährden. Eine aktuelle Studie im Lancet Global Health belegt: Entwicklungszusammenarbeit hat wesentlich dazu beigetragen, die Malariasterblichkeit um 56% und die HIV/AIDS-bedingte Sterblichkeit um 70% zu senken – das sind keine abstrakten Zahlen, sondern gerettete Leben.
Fortschritte in der globalen Gesundheit – etwa bei der Bekämpfung von Malaria und vernachlässigter Tropenkrankheiten (NTDs), der nachhaltigen Stärkung von Gesundheitssystemen und der globalen Überwachung von Krankheiten – erfordern langfristige Partnerschaften und Investitionen. Sie lassen sich nicht durch kurzfristige humanitäre Einsätze ersetzen. Langfristige Investitionen sind ein besseres Rezept gegen künftige Krisen.
Die Stärken und Erfolge der Schweiz in der globalen Gesundheit beruhen auf einer effektiven Zusammenarbeit von Forschung, NGOs, Unternehmen und internationalen Organisationen. Dies hat im Globalen Süden zu gestiegener Lebenserwartung beigetragen, Gesundheitssysteme gestärkt und die Sicherheit von uns allen verbessert – eine verlässliche, langfristige Finanzierung ist dafür unerlässlich.
In der neuen Strategie 2029–2032 müssen Investitionen in Krankheitsbekämpfung – einschliesslich Malaria und NTDs – sowie in Gesundheitssysteme und globale Kooperation im Gesundheitsbereich weiterhin klar priorisiert werden. Nicht zuletzt auch in unserem eigenen Interesse.
Die Führungsrolle der Schweiz in der globalen Gesundheit basiert auf langfristigem Engagement. Darauf sollte die nächste Strategie aufbauen.
Manuel Hetzel, Präsident, Swiss Malaria Group
Lorenz Indermühle, Präsident, Swiss Alliance for Neglected Tropical Diseases
